Allgemein Baby Gesundheit

Das High-Need-Kind – eine Modeerscheinung !?

In den letzten Monaten häufen sich online und in Zeitungen diverse Artikel und Berichte zum Thema „High-Need“ und man kommt an diesem Wort kaum vorbei. Ich habe das Gefühl, früher hat kein Mensch von High-Need gesprochen – und plötzlich tut es jeder. Das erinnert mich so ein bisschen an die ADS- bzw. ADHS-Kinder, die davor „in Mode“ waren. Wobei meiner Meinung nach die Diagnose ADHS viel zu schnell gestellt wird. Und das frage ich mich auch bei den sogenannten High-Need-Kindern…

Was ist ein High-Need-Kind ?

Der Begriff High-Need-Baby stammt von Dr. William Sears, einem kalifornischen Kinderarzt und Professor. Er hat 12 Kriterien festgelegt, die ein High-Need-Baby ausmachen und mit denen man überprüfen kann, ob das eigene Kind high need ist. Ins Deutsche übersetzt heißt das zunächst mal hoher Bedarf, also ein Kind, was sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Folgende Kriterien weisen auf ein High-Need-Baby hin:

  1. Intense – Das Baby schreit intensiv
    Das Weinen des Babys ist sehr intensiv, sehr laut und es fordert ganz massiv die Versorgung seiner Bedürfnisse ein. Diese Versorgung darf fast ausschließlich die Mutter übernehmen, ansonsten wird das Kind noch unruhiger und das Weinen fordernder.
  2. Hyperactive – Das Baby wirkt hyperaktiv
    Der Körper des Babys ist sehr angespannt und immer in Bewegung. Es kann nicht ruhig liegen, sondern strahlt eine innere Unruhe aus.
  3. Draining – Das Baby ist anstrengend
    Das Baby weint, will oft gestillt werden und lässt sich nicht ablegen. Es fordern viel und diese Zeit ist für Eltern, und vor allem Mütter, sehr anstrengend. Das Baby will permanent getragen oder gestillt werden, was Mütter oft an ihre Grenzen stoßen lässt.
  4. Feeds Frequently – Das Baby will ständig gestillt werden
    Beim Stillen geht es nicht nur darum, satt zu werden, sondern auch um die Geborgenheit und Nähe. Daher will das High-Need-Baby ständig an die Brust.
  5. Demanding – Das Baby ist sehr fordernd
    Das Baby fordert alle seine Bedürfnisse sofort und lautstark ein. Das Weinen ist extrem schrill und heftig. Schnuller akzeptieren die wenigstens High-Need-Babys, weil das eigentliche Bedürfnis nicht gestillt wird. Warten können diese Babys nicht, die Bedürfnisse stehen immer im Mittelpunkt.
  6. Awakens Frequenly – Das Baby wacht ständig auf
    Das Baby findet nicht in den Schlaf, es kann schwer einschlafen und nicht länger am Stück schlafen. Zu groß ist die innere Unruhe und die Sorge, nicht in der Nähe der Mutter zu sein.
  7. Unsatisfied – Das Baby ist permanent unzufrieden
    Obwohl das Baby getragen und gestillt wird und alle Aufmerksamkeit bekommt wirkt es unzufrieden. Es ist ein sehr unentspanntes Kind und als Eltern hat man das Gefühl, total zu versagen. Denn man tut alles und dennoch hört das Baby nicht auf zu weinen.
  8. Unpredictable – Das Baby ist unberechenbar
    Was heute gut ist und dem Baby gefallen hat, kann morgen schon wieder völlig uninteressant sein und zu Tränen führen. Ein High-Need-Baby hat kein festes Ritual, weil es starke Stimmungsschwankungen hat. Die Eltern müssen jeden Tag aufs Neue herausfinden, was dem Baby Freude macht.
  9. Super-Sensitive – Das Baby ist sehr sensibel
    Das Baby hat sehr feine Antennen und nimmt sehr viel mehr wahr als „normale“ Babys. Schon kleinste Geräusche stören den Schlaf und es kommt nicht mehr zur Ruhe. Ein High-Need-Baby braucht sehr strenge Rituale, bereits kleine Änderungen im Tagesablauf wirken verstörend.
  10. Can´t put baby down – Das Baby lässt sich nicht ablegen
    Das Baby braucht körperliche Nähe und Hautkontakt wie andere die Luft zum Atmen. Sobald das Baby kurz hingelegt wird schreit es heftig und sehr laut.
  11. Not a self-soother – Das Baby kann sich nicht selbst beruhigen
    Mit der Zeit lernen Babys, sich selbst zu beruhigen, z.B. durch einen Schnuller oder ein Kuscheltier. High-Need-Babys können das nicht. Sie brauchen immer die Mutter um sich herum und lehnen Gegenstände ab.
  12. Separation sensitive – Das Baby kann sich nicht trennen
    High-Need-Babys und -kinder können sich schlechter von der Mutter trennen als andere Kinder. Sie sehen die Mutter als Teil von sich selbst und möchten daher nicht von ihr getrennt sein. Schwierig ist diese Situation auch für einen Babysitter oder die Eingewöhnung im Kindergarten.

High-Need oder einfach ein Baby ?

Anhand der oben genannten Kriterien kann man selbst einschätzen, ob das eigene Kind high need ist. Und ich sag´s Euch ganz ehrlich: ich bin sehr froh, dass ich keine High-Need-Kinder habe. Die Geburt eines Kindes verändert den Alltag immer komplett und stellt alles auf den Kopf. Wenn man zusätzlich noch ein Baby hat, was viel schreit, ständig die ungeteilte Aufmerksamkeit will und dazu am Ende des Tages total unzufrieden ist, ist man wohl einfach nur fertig. Ich kann mir gut vorstellen, dass Mütter und Familien in solchen Situationen an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen.

Ich zweifle keineswegs an, dass es High-Need-Babys und auch High-Need-Kinder gibt. Und ich stelle mir diese Situation auch extrem schwierig vor. Allerdings frage ich mich auch, ob es tatsächlich überall so viele High-Need-Kinder gibt !? Ich lese davon, ich höre davon. Viel. Und ich habe das Gefühl, dass manche Mütter einfach nicht sehen, dass ein Baby am Anfang nun mal anstrengend ist. Aber das ist jedes Kind. Kein Kind schläft in den ersten Wochen durch und kein Kind wartet geduldig bis es gestillt wird, wenn es tierisch Hunger hat. Und viele Babys wollen teilweise auch stündlich gestillt werden. Und ja, das ist anstrengend.

Einige Mütter „verurteilen“ ihre Babys, weil sie so sind, wie sie sind. Und nehmen die Bezeichnung high need als Art Entschuldigung. Weil sie denken, dass sie als Mütter funktionieren müssen wie bisher.

Entspannt Euch !

Ein Neugeborenes ist eine Mammut-Aufgabe, ganz klar. Daher müssen wir Mütter unsere eigenen Ansprüchen zwei Etagen herunterfahren. An Tagen, an denen das Baby nur getragen und gestillt werden will, ist man froh, wenn man mal fünf Minuten alleine Pipi machen kann. Von einer Dusche ganz zu schweigen. Und an solchen Tagen bleibt natürlich alles andere liegen. Da ist man froh, wenn man um 15 Uhr nicht mehr im Nacht-Outfit herumläuft und sich die Haare gekämmt hat. Saugen !? Wischen !? Aufräumen !? Forget it. Auch ich hatte Tage, die so aussahen: stillen, wickeln, tragen, essen, repeat.

Ich glaube, dass High-Need-Kinder eine Ausnahme sind und sicherlich nicht jedes Kind high-need ist, nur weil es die Mutter so betitelt. Die eigene Ent- bzw. Anspannung überträgt sich auf das Kind und diese „Hilfe, ich habe ein High-Need-Kind und es schreit schon wieder“-Gedanken auch. Mütter brauchen mehr Gelassenheit und Vertrauen auf das eigene Gefühl. Denn auch das merkt das Kind – und ich bin sicher, dass viele Kinder dann auch viel entspannter sind !

Wie seht Ihr das !? Habt Ihr selbst ein High-Need-Kind !? Wie schätzt Ihr das ein !?

Alles Liebe,

Berenice

Mehr von mir !?
Was wir von Kindern lernen können…
Hört auf Euer Herz !

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6 Comments
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14. September 2017
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14. September 2017

6 Comments

  • Tina

    Finde diesen Trend schon wieder bedenklich. Ja, jedes Kind ist anders. Während das eine Kind stundenlang in einem anderen Raum alleine in der Wippe liegt und keinen Mucks von sich gibt, lernt man mit dem anderen Kind, was alles so einhändig geht. Hier wird schon wieder ausgesiebt. Mein Kind ist nicht normal. Normale Kinder trennen sich leicht von der Mutter. Mein Kind will nicht von mir weg … es ist nicht normal. Na danke!
    Es gibt Kinder, die sind anstrengender als andere. Ja, das ist so. Das sind kleine Menschen mit unterschiedlichen Charakteren und Bedürfnissen. Es gibt auch Erwachsene, die sind anstrengender als andere. Mein Ex-Chef war auch so ein High Need Mensch. Konnte nicht stillsitzen, brauchte stündlich seinen Kaffee, seine Lautstärke war tinnitusfördernd und was am Montag noch super war, war am Dienstag plötzlich unbrauchbar.
    Ich will nix kleinreden. Meine Kinder waren als Babys auch sehr fordernd. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, ihnen irgendeinen Stempel aufzudrücken. Manchen hilft das vielleicht, einen Namen dafür zu haben. Es gibt aber auch immer Muttis, die da so eine Art Wettbewerb draus machen. Was? Auf dein Kind treffen nur 8 der Kriterien zu? Meins erfüllt 11! Ist also viel anstrengender als deins, bätsch!
    Ich persönlich mag solche Kategorisierungen nicht. Vorallem wenn sie so sehr von der Wahrnehmung des Einzelnen abhängen.
    LG, Tina

    • Phinabelle

      Liebe Tina,
      zunächst mal Glückwunsch, dass der Chef der Ex-Chef ist 😀
      Ich glaube auch, dass es einfacher ist dieses Verhalten konkret zu benennen, wenn man betroffen ist.
      Aber ich merke auch, dass es Mütter gibt, die sich da wirklich hochschaukeln, wie Du das sagst. Ich bin da voll bei Dir, denn jeder nimmt sein eigenes Kind nochmal anders war und es einfach in eine Schublade zu packen macht es nicht besser. Danke Dir !
      Liebe Grüße,
      Berenice

  • Martina von Jolinas Welt

    Einen ähnlichen Beitrag hatte ich vor kurzem auch geschrieben. Bin malgespannt was das Modethema 2018 ist, hahaha.
    Also ich finde ich hab total normale Kinder, ach nee, sch… doch nicht, hahaha

    • Phinabelle

      Ja, genau. Das Thema wird hochgeschaukelt, obwohl es so viele andere Eltern gibt mit besonderen Kindern. Nächstes Jahr !? Ich bin gespannt 🙂

  • Beatrice

    Liebe Berenice,

    ich stimme dir bedingt zu. Ich glaube auch, dass sich vieles aufschaukelt, wenn man als Mama nervös wird und keine Ruhe genereieren kann. Das überträgt sich definitiv auch auf´s Kind. Umgekehrt auch. Dennoch gibt es Kinder, die einen mehr fordern und da hilft eine entspannte Einstellung auch nur bedingt etwas. Wie viele Kinder tatsächlich high need Kinder sind oder nicht, weiß ich nicht. Sicherlich spielt das subjektive GEfühl da auch eine Rolle. Unsere Mittlere erfüllte einst fast alle der „Kriterien“, jedoch machte ich mir damals darüber keine GEdanken. Sie war halt lebhafter, als der Sohn und temperamentvoller. Wir nahmen es als ganz natürlich an und begegneten der Sache so gelassen wie möglich. Anstregend war es dennoch sehr, aber es wäre bestimmt noch anstregender geworden, wenn wir nervös reagiert hätten. Es ist nicht so einfach. Und allszuschnell urteilt man ohne zu wissen was zuerst da war. Denn ein Schreikind kann auch die ruhigsten ELtern mal aus der Bahn werfen und am Ende sind sie vor Erschöpfung genauso nervös wie das Kind. Ein Außenstehender denkt dann, es läge an den Eltern.
    Man müsste mal eine Studie dazu machen. 😀

    • Phinabelle

      Das stimmt, ich bin da ganz bei dir. Ich streite auch nicht ab, dass es diese Kinder gibt. Aber ich glaube einfach, dass viele zu voreilig diesen „Stempel“ aufgedrückt bekommen. Gelassenheit muss man unbedingt probieren – was natürlich aber nicht immer funktioniert…

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4. Winter ist meine liebste Jahreszeit. Der Herbst auch... Ich mag die Kälte und den Schnee.
5. Konzerte und Festivals sind so gar nicht meins. Zu laut, zu dreckig.
6. Deutschland ist so familienfreundlich - klasse! 
7. Ich liebe Currywurst.
8. Schatz, endlich wieder Bundesliga!
9. Den Wocheneinkauf erledige ich am liebsten mit den Kindern - es gibt nichts Entspannteres.
10. Ich bin geduldig, spreche sehr langsam und werde nie laut.  Und jetzt Ihr - wer war noch nicht dabei ?! @momsfavoritesandmore @mamatized @simplylovelychaos @howimetmymomlife @morisamum @dreaming2day ?! #blogger #dingedieichniemalssagenwürde #itwasntme #10things #10dingedieichniemalssagenwürde #itsthetruth

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