Allgemein Gastbeiträge

„Du bist nicht mehr meine Freundin“ – Wie wir Kinder beim Streiten unterstützen können

Wenn Kinder streiten ist das Drama oft groß – und doch lässt eine Versöhnung meist nicht lange auf sich warten. Katja vom Blog Mamatized hat sich dazu Gedanken gemacht…

Auf Mamatized bloggt Zweifach-Mama Katja über den ganz normalen
Familienwahnsinn katja-mamatizedmit „Threenager“ Ida und Baby Milou. Vom mehr oder weniger erfolgreichen Loswerden des Babyspecks, über die Einschlafprobleme beider Töchter bis hin zu ihrer allgemeinen Unzufriedenheit mit der Rolle der Mutter in der Gesellschaft ist alles dabei. Mal lustig, mal traurig, mal einfach aus dem Bauch heraus, aber immer mit ganz viel Mutterherz.

Konflikte im Kindergarten sind so normal wie das Basteln und Singen. Für unsere Erwachsenenohren hören sich die Streits jedoch oft sehr grausam an. Während Erwachsene schon Diplomatie und Sachlichkeit gelernt haben (oder zumindest so tun, als ob), begeben sich diese kleinen Wesen auf die Ebene, die sie am besten kennen: die Gefühle. So wird schnell etwas Verletzendes gesagt, entfreundet oder ausgeladen. Nicht selten endet ein Konflikt in Tränen oder es benötigt einen Streitschlichter.

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Die Sache mit der Freundschaft

Auch mir versetzt es einen kleinen Stich ins Herz, als meine Tochter Ida (3) mir erzählt, dass Anna aus dem Kindergarten im Morgenkreis nicht neben ihr sitzen will, weil sie nun doch „nicht ihre Freundin ist“. Ida ist kaum 2 Wochen im Kindergarten und sichtlich verwirrt über dieses Verhalten. Wir haben an diesem Abend unser erstes Gespräch über Freundschaft. Darüber, dass man nicht täglich entscheiden sollte, wer die Freundin ist und wer nicht. Darüber, dass man nicht mit jedem Kind „Freund“ sein muss und trotzdem mit jedem aus der Gruppe spielen kann.

Du bist nicht meine Freundin, aber ich spiele mit dir

Ich höre erstmal längere Zeit nichts mehr über diese Freundin/Nicht-Freundin, bis wir sie auf dem Spielplatz treffen. Ida spielt gerade mit ihrer Freundin Lisa und  Anna gesellt sich zu den zweien. Als Ida sich die Schaukel mit Anna teilen will, macht Lisa sie darauf aufmerksam, dass Anna ja gar nicht ihre Freundin sei. Und schon hege ich Zweifel, ob mein Rat an Ida richtig gewesen ist. Nachdem die Drei den ganzen Nachmittag zusammen spielen, spreche ich Ida abends drauf an. „Ist Anna nicht doch eine Freundin von dir?“ Aber Ida antwortet ganz klar und bestimmt:“Nein!  Manchmal ist sie nett zu mir und manchmal wieder nicht. Sie ist nicht meine Freundin, aber ich kann trotzdem mit ihr spielen.“ Und ich bin zufrieden damit, weil Ida mit dieser Lösung zufrieden scheint.

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Wie kann ich mein Kind beim Streiten unterstützen

Wir Eltern lassen unseren Kindern oft nicht genug Platz zum Streiten und mischen uns ein, versuchen zu schlichten und müssen automatisch Partei einnehmen. Und gerade bei grausamen Sätzen sind wir sehr versucht einzugreifen. Unsere Kinder müssen erst einmal eine gewisse Streitkultur lernen und da gehört auch das „wie“ dazu.

Vorbild sein
Auch im Streit sollten wir Eltern nicht vergessen, dass wir das größte Vorbild für unser Kind sind. Sie werden unsere guten Eigenschaften nachahmen, genauso wie unsere schlechten.

Das Kind ernst nehmen und ausreden lassen
Selbst wenn wir vorher schon wissen, dass wir im Recht sind, muss dem Kind die Möglichkeit gegeben werden, sich erklären und die eigenen Argumente anbringen zu können. Und da wir die Erwachsenen sind, sollten wir versuchen den Standpunkt des Kindes zu verstehen. Dazu gehört auch, dass das Kind mal mit seinen Argumenten Recht behält. Wir sind nicht unfehlbar, nur weil wir erwachsen sind.

 Über Gefühle sprechen
Ärger, Angst, Trauer, Scham, Schuld, Enttäuschung – so viele Gefühle, die einen kleinen Menschen  täglich bewegen und die sie noch gar nicht alle differenzieren können. Im Streit hilft es diese Gefühle anzusprechen, damit auch das Kind besser zuordnen kann, was in ihm los ist. Allerdings ist besonders wichtig, dass man nur über das eigene Gefühl spricht ! (Also „Ich ärgere mich…“, „Ich bin wütend, weil…“, „Ich hatte Angst, dass…“)

Konflikte unter vier Augen lösen
Kennst du diese Pärchen, die alle belustigt anschauen, weil sie einen Beziehungsstreit mitten in der vollen U-Bahn austragen ? Tu das Deinem Kind bitte nicht an ! Es ist so einfach das Kind zur Seite zu nehmen und ihm zu sagen, was gerade nicht gut läuft.

Lösungen anbieten
Wunderst du dich auch manchmal, wie schwer es Kindern fällt sich zu entschuldigen ?
Das ist nicht nur bei Kindern so, Fehler eingestehen ist schwer. Es hilft deinem Kind sehr, wenn du ihm entgegen kommst und ihm vorschlägst sich wieder zu vertragen.

Auseinandersetzungen können Spass machen. Dein Kind lernt zu argumentieren, sich seiner eigenen Gefühle klar zu werden, nachzugeben und – wenn alles gut läuft – wie schön es ist, sich zu versöhnen.

Wie geht Ihr damit um ? Mischt Ihr Euch ein oder lasst Ihr Eure Kinder untereinander streiten ?

Alles Liebe,

Berenice

 

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7. September 2016
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7. September 2016

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  • simplylovelychaos

    Hallo,!
    Ein schöner Artikel! Ich mische mich auch nicht ein wenn sich meine Kinder streiten. Allerdings habe ich einen Punkt an dem ich es doch tue, wenn der Stein an Niveau verliert und Kraftausdrücke fallen, oder es zur Gewalt kommt. Dann finde ich es durchaus sogar notwendig den Kindern die Grenzen zu setzen. Es soll nicht an Respekt vor anderen fehlen, auch wenn man den gerade total doof findet.
    LG,
    Natalia

  • souverän erziehen und begleiten

    Das Kinder streiten können, ohne, dass wir Erwachsenen sofort eingreifen, finde ich sehr wichtig. Das das den Kindern oft aber nicht zugestanden wird, bemerke ich im pädagogischen Alltag oft daran, dass die Kinder, wenn sie streiten, immer wieder den Blickkontakt zur Erzieherin/ zum Erzieher suchen und scheinbar irritiert sind, wenn erst mal niemand kommt, um ihr Problem zu regeln.
    Oder auch das typische. “ Ich geh es sagen!“
    Klar, manchmal muss man die Kinder begleiten, sollte ihnen aber nicht alles aus der Hand nehmen, denn die Kinder sind unglaublich kreativ im Lösungen finden, wenn sie Gelegenheit dazu haben.

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